Georgien

Internationales Seminar von Schüler und Lehrern in Georgien im Juli 2001

Auf Einladung der georgischen UNESCO-Kommission besuchten Stefanie Steinmetz (11. Jahrgang), Ilker Meric (12. Jahrgang) sowie als Begleiter Herr Noack ein internationales Seminar zu Fragen der Ökologie im nördlichen Kaukasus.

Teilnehmer waren Lehrer und Schüler aus Österreich, Deutschland, Armenien, Aserbaidschan und natürlich Georgien.


Zum Programm für die deutsche Delegation gehörte der Besuch und die Besichtigung der Sehenswürdigkeiten von Tbilissi, der Hauptstadt des Landes, sowie das eigentliche Seminar in einem Jugendcamp im nördlichen Kaukasus, an der Grusinischen Heerstraße, auf 1800 Metern Höhe, wenige Kilometer von der russischen Grenze entfernt.


In Tbilissi besichtigten wir ein Gymnasium, dessen Deutschkollegen sehr an einem Austausch mit deutschen Schulen interessiert sind. Herr Metrevelli, Generaldirektor der georgischen UNESCO-Kommission, lud uns zu einem Essen im Familienkreis sowie am Ende des Aufenthaltes im Lande in sein Landhaus nördlich der Hauptstadt ein.


Die negativen Hinterlassenschaften aus langen Jahren kommunistischer Herrschaft sind enorm. Viele unrentabel gewordene Betriebe haben schließen müssen, die Arbeitslosigkeit ist hoch, vor allem junge Menschen emigrieren. Hinzu kommen Flüchtlingsprobleme aufgrund von Kriegen nach Erlangung der Unabhängigkeit 1992. Die Transformation des Landes zu Demokratie und Marktwirtschaft erfolgt nur schleppend.


Unter anderem sind gewaltige ökologischen Probleme zu lösen. Zu ihnen gehören die Verunreinigung des Schwarzes Meeres, die Überdüngung landwirtschaftlicher Nutzflächen, die fortschreitende Erosion weiter Teile des Kaukasus aufgrund jahrhunderte langer Abholzungen und Überweidung.


Seminarteilnehmer zeigten anhand konkreter Projekte - etwa im Nachbarschaftsbereich - auf, wie auch mit geringen Mitteln ökologische Probleme angegangen und ökologisches Bewusstsein geschaffen werden können. Die österreichische Delegation erläuterte ihr Projekt in der Stadt Telavi, in der unter ökologischen Gesichtspunkten Schulgebäude errichtet werden. Andere verwiesen auf Projekte internationaler Organisationen zur Erhaltung bedrohter Arten in der kaukasischen Bergwelt. Schneeleoparden und Steinböcke stehen ganz oben auf der Liste bedrohter Tiere.


Die anwesenden Lehrer diskutierten, wie bei weiteren Seminaren internationale Hilfs- und Nichtregierungsorganisationen, von denen zahlreiche im Kaukasus tätig sind, in die Planung und Gestaltung von Seminaren einbezogen werden können. So verfügt etwa der WWF über eine gut ausgerüstete Tagungsstätte in unmittelbarer Nähe zum Jugendcamp, in dem die Teilnehmer untergebracht waren.


Ein Anfang ist gemacht worden. Wir bedanken uns noch einmal recht

herzlich bei den Organisatoren des Seminars für die freundliche und liebenswürdige Aufnahme in Georgien.


S. Noack

Eindrücke von Ilker Meric

Dieser Bericht schildert meine eigenen Eindrücke und Erlebnisse, die ich auf dem Seminar in Georgien gesammelt habe.

Die Repräsentanten unserer Schule waren als Schüler Stefanie Steinmetz (11. Jahrgang), Ilker Meric (1. Sem.) und als Lehrer Herr Noack, der für Projekte und Aktionen der UNESCO an der Carl-Zeiss-Oberschule verantwortlich ist.

Das Seminar fand vom 2. bis 6.7. statt.


Doch da es nur begrenzte Termine für den Flug gab, flogen wir schon am Sonntag, den 30. Juni um ca. 19.30 Uhr vom Flughafen Tegel Richtung Zürich und dann weiter nach Tbilissi, der Hauptstadt Georgiens.


Natürlich waren wir sehr gespannt, was uns erwarten würde. Nur selten oder fast nie hört man etwas von diesem Land, die meisten wissen gar nicht, wo es liegt.


Um 4.30 Uhr kamen wir am Flughafen von Tbilissi an (die Zeitverschiebung beträgt 3 Std.) und machten die erste Bekanntschaft mit der Polizei des Landes, die mich für einen Terroristen hielt.


Irgendwie schien mit meinem Ausweis etwas nicht zu stimmen. Doch als wir dem Beamten erklärten, dass wir für die UNESCO unterwegs seien, ließ er uns passieren.


Am Ausgang erwartete uns eine junge Frau, bei der wir die Zeit in Tbilissi untergebracht waren. Sie war ungefähr Mitte dreißig, hatte einen Sohn und lebte mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern in einem Hinterhof in der Stadt.

Die ersten Tage in Tbilissi waren neuartig und sehr interessant. Georgien ist zwar ein wirtschaftlich recht armes Land, doch gibt es verschiedene Kulturen bzw. Religionen. Georgien war früher unter der Herrschaft der ehemaligen Sowjetunion, und davon ist noch sehr viel erhalten geblieben. Viele Polizisten tragen z.B. immer noch die riesigen Schirmmützen von früher.


Wie gesagt, wir haben die ersten Tage viele Plätze und Kirchen besichtigt. Ebenfalls schauten wir uns Universitäten und Schulen an, die in Georgien sehr geschätzt werden. Und wir wurden vom Generalsekretär der UNESCO Georgiens eingeladen und sprachen über die Zukunft und über weitere Projekte zwischen Deutschland und Georgien.


Am Dienstag, den 2. Juli, morgens um 9 Uhr, traten wir zur Reise nach Kazbegi, an der Nordseite des Großen Kaukasus, an, wo das eigentliche Seminar stattfinden sollte. Es waren Delegationen aus Armenien, Aserbaidschans, Georgien, Österreich und Deutschland vertreten. Kazbegi liegt ungefähr 250-300 km nördlich von Tbilissi und ist bekannt durch den Berg „Kazbegi“ (über 5000 m hoch) und durch ein georgisches Bier mit gleichem Namen.


Nach ungefähr 4 Stunden Fahrt kamen wir an, in einem Jugendlager, dass in 1800m Höhe lag und als Unterkunft diente. Weiter oben am Hang befand sich das Ferienlager der „School of Knights“, einer Grundschule aus der Hauptstadt, deren Schüler hier ihre Ferien verbrachten.

Der erste Eindruck war einfach gigantisch, denn so ein Naturschauspiel sieht man nur ganz selten auf der Welt!


Der Berg, auf dem wir wohnten, war umgeben von Wasserfällen, Flüssen, Felsen und einer üppigen Pflanzenwelt, wie sie typisch für diesen Teil des Kaukasus ist. Nach der Hektik, dem Lärm und den Abgasen in Tbilissi befanden wir uns hier in der Ruhe der Berge in wundervoller Umgebung, man fühlte sich frei und wie neugeboren!


Am folgenden Tag stellte jede Delegation ihre Projekte zu Umwelt und Umweltschutz vor, diskutierte diese und versuchte Lösungen zu finden. Die Lösungsvorschläge wurden festgehalten, und es wird nun versucht werden, sie umzusetzen.


Am zweiten Tag unternahmen wir Wanderungen zu zwei Wasserfällen in der Nähe. Wir hatten genug freie Zeit, um uns gegenseitig kennen zu lernen. Viele Freundschaften wurden geschlossen, die sogar heute noch bestehen.


Der dritte Tag war der Höhepunkt, denn nach dem Frühstück fuhren wir in den Ort Kazbegi, um von dort aus auf einen Berg von ca. 2500 m Höhe zu wandern. Auf einem Berg oberhalb von Kazbegi existiert noch eine sehr alte Kirche, die wegen ihrer typisch georgischen Architektur und der alten georgischen Schriftzeichen an den Außenmauern berühmt ist.

Von dort aus blickt man auf schneebedeckte Gipfel und tief eingeschnittene Täler.


Am folgenden Tag hatten wir genügend Zeit, die Erlebnisse und Eindrücke zu verarbeiten. Es wurde viel über das Seminar gesprochen. Der letzte Abend wurde - wie schon zuvor - bei Lagerfeuer, Gesang und Gitarrenmusik, mit vielen georgischen Köstlichkeiten begangen, bis tief in die Nacht.


Am nächsten Morgen fuhren wir nach Tbilissi zurück. Bei der Verabschiedung wurden noch schnell Adressen ausgetauscht und dann war Zeit, good bye zu sagen.


Die beiden letzten Tage verbrachten wir damit, uns weitere Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt anzuschauen. Einen Nachmittag waren wir im Sommerhaus des Generalsekretärs 30 km nördlich der Hauptstadt eingeladen, mit georgischem üppigen Essen und anschließender Besichtigung einer sehr alten Kirche in der Umgebung.


Insgesamt war es eine sehr interessante und aufregende Reise, in der ich sehr viele Eindrücke und Erfahrungen, besonders mit den vielen Menschen aus anderen Ländern gesammelt habe.

Ich hoffe, dass wir auch in der Zukunft intensiv mit Georgien zusammen arbeiten werden, denn die Georgier sind ein junges und sehr liebenswertes Volk, das unsere Unterstützung braucht.

Ilker Meric, 1. Semester